Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Wolfgang Zwander | aus FALTER 17/09 vom 22.04.2009

"Wieso will uns die SPÖ die Jobs wegnehmen, Herr Newrkla?"

Auf ihren Wahlplakaten geben politische Parteien gerne großzügige Versprechen ab. Nicht so die SPÖ. Sie verwundert derzeit durch ihre neue Plakatkampagne zum Thema Wirtschaftskrise mit zweideutigem Inhalt. "Mit der SPÖ um die Arbeitsplätze kämpfen", kündigt Bundeskanzler Werner Faymann in weißen Lettern auf rotem Hintergrund an.

Stellt sich die Frage: Will uns die SPÖ unsere Arbeitsplätze wegnehmen? Müssen wir uns künftig sogar mit dem Bundeskanzler um unseren Job raufen? Oder ist der Slogan einfach nur missverständlich formuliert?

Der Satz wurde von der Werbeagentur Blue Tango ausgedacht, die von der SPÖ erst kürzlich für den EU-Wahlkampf angeheuert wurde. Blue-Tango-Geschäftsführer Johannes Newrkla kann nicht nachvollziehen, warum seine Werbebotschaft für Verwirrung sorgt. Man habe sich sogar absichtlich für diese Formulierung entschieden - und nicht für den Satz: "Mit der SPÖ für die Arbeitsplätze kämpfen". "Das Wort, um' ist einfach stärker als, für'", meint der Werbefachmann. "Schließlich geht es zurzeit darum, um jeden bestehenden Arbeitsplatz zu kämpfen und weniger um neue", lautet seine sprachliche Interpretation. Andere will der Blue-Tango-Chef nicht gelten lassen. "Der SPÖ und Kanzler Faymann vorzuwerfen, sie wollten sich meinen Arbeitsplatz schnappen, geht wohl daneben", sagt er.

Fragt sich nur, welche Wahlslogans demnächst auf uns zukommen. Vielleicht: "Die Reichen stärker zur Brust nehmen. Ihr Josef Pröll." Oder: "Grüne Geschlechtergerechtigkeit: Gleiche Arbeitslosigkeit für Männer und Frauen!"

Eines muss man den SPÖ-Plakaten lassen: Die Menschen sprechen um sie. "Um" ist nicht bloß das neue "für", "um" ist auch stärker als "über". Um uns kann man es ja machen!


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