Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 17/09 vom 22.04.2009

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Sag es einfach sanfter

Ein edler Satz ziert das Programm des Designmonats, mit dem die Creative Industries Styria (CIS) die Kreativszene der Stadt bündeln wollen (siehe S. 46). "Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist", heißt der Satz, und er wird gemeinhin Victor Hugo zugeschrieben. Aber der hat ihn in seinem Pamphlet "Histoire d'un crime" eigentlich anders formuliert: "Die Invasion von Armeen kann aufgehalten werden; doch nichts kann die Invasion von Ideen aufhalten." Und Hugo wollte damit eher keinen Designmonat bewerben, sondern - nach dem Ende des Deutsch-Französischen Kriegs - die Werte der französischen Aufklärung und des Völkerfriedens in Erinnerung rufen.

Das Hugo-Zitat im schicken Folder - schnödes Styling. Aber die CIS ist ja noch neu im Geschäft. Dafür will sie's jetzt richtig wissen, vernetzt im Designmonat auch designferne Einrichtungen mit der Kreativwirtschaft. Wie die Kunstfestspiele der Galerientage oder das Festival "absolutely free". Diese fielen eigentlich in die Domäne der Kulturservice Gesellschaft (KSG), des zweiten Vernetzers im Land, verantwortlich für Kunst und Kultur. An der KSG hätte sich dereinst, im Gefolge von Graz 2003, auch die Stadt beteiligen sollen. Daraus wurde nichts, dafür stieg sie nun bei der CIS ein.

Kreativwirtschaftsförderung statt Kulturhauptstadterbe - ein neues Primat der Wirtschaft über die Kunst in der Stadt? Eine sanfte Verschiebung symbolischen und echten Kapitals in Richtung Markt ist es allemal. "Sie drängen auf Entkunstung der Kunst", hat Adorno einmal zornig vermerkt. Die Kreativförderer sagen Sanfteres. Und sie sagen es mit Victor Hugo.


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