Kritiken

"arm:mut" statt "Armut": Wildgans goes Reality-TV

Lexikon | aus FALTER 17/09 vom 22.04.2009

Das Theater Wozek hat die von Anton Wildgans in seinem Drama "Armut" (1914) erdachte Familie in die Gegenwart und in das herzlose Fernsehgeschäft mit dem Elend verpflanzt. In "arm:mut" ist es mit der Sozialromantik vorbei. Auch die tragische Liebe zwischen Bruder und Schwester fehlt hier. Dafür kommen die Windeln des sterbenden Vaters ins Bild, ein gefälschter Realitätseinbruch mehr - wie das Überschreien von Gefühlen, die bestenfalls halbgut gespielt und abrufbar für die Quote sind. Ganz klar sieht das Publikum nur, dass jeder für sich selbst kämpft, obwohl weniger klar ist, wer denn dieses Selbst ist. Dazu entsteht der Eindruck, dass die Besucher eines kleinen Theaters wie gedankenloses, geiles Fernsehvolk vorgeführt werden. BH

Tag, Sa, Mi, Do 20.00


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