Kritik

Randnotizen im Rampenlicht

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 17/09 vom 22.04.2009

Sie hängen an der Wand, liegen auf oder sind im Katalog zu finden: Weite Teile der Gegenwartskunst bleiben ohne Kommentar nur halb- oder missverständlich und setzen so eine lesende Parallelbeschäftigung des Betrachters voraus. Aber was, wenn der Begleittext in den Mittelpunkt rückt? Die von dem deutschen Kollektiv Galerie C&V kuratierte Ausstellung "Kommentar als selber was" wagt das Experiment, die Verhältnisse umzukehren. Gleich zu Beginn der Schau trifft man auf eine Stellwand mit versammelten Material, das aber eher verwirrend als aufklärend wirkt. Wer erwartet, in dieser Ausstellung nur auf Texte zu treffen, hat sich gründlich getäuscht. Natürlich sind sie da: Etwa bei Ralo Mayer, der im chinesischen Chengdu rote Banner über Straßenzüge hängte, deren Zeilen seine eigene Situation als Künstler in dem fremden Land kommentieren. Adnan Softi´c erzählt über Prozesse gegen Intellektuelle in Kroatien während des Krieges auf einer persönlichen Ebene. Markus Binner hingegen stellt nur handgeschriebene Zettel aus, deren Texte wie Fragmente aus Notizen wirken.

Was nun Kommentar oder Primärtext ist, bleibt in jedem einzelnen Fall neu zu überdenken. Caspar Stracke montiert in einem Video mit Split Screen historische Gebäude mit deren Kopien in anderen Ländern zusammen, etwa die Akropolis oder das Kapitol. Eine de facto Wiedergabe liefert Eva Riekehof mit einem lebensgroß kopierten Samtvorhang. Appropriation spielt in mehreren Arbeiten dieser charmant verrätselten Schau eine Rolle. Besonders Eifrige können sich noch den Audioguide von Julia Krause ausborgen; keine Frage, dass hier ebenso wenig wie im Begleitheftchen eine Erklärung der Schau geliefert wird.

Kunsthalle Exnergasse, bis 9.5.


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