Ausstellung Vernissage

Wärme einer temporären Gemeinschaft

Lexikon | aus FALTER 17/09 vom 22.04.2009

Der polnische Künstler Pawel Althamer ist in der Secession kein Fremder. Bei der Gruppenschau "Ausgeträumt" 2000 holte er Obdachlose, die normalerweise am angrenzenden Karlsplatz leben, als Statisten in das Ausstellungshaus. Außerdem parkte er alte slowakische Autos auf dem Grundstück hinter dem Gebäude. Althamer arbeitete immer wieder mit "kunstfremden" Gruppen. Bei seinen Interventionen und Performances geht es ihm aber weniger um die bloße Partizipation, als um die Benützung des öffentlichen Raums wie eine Bühne, auf der die sozioökonomischen Bedingungen bestimmter Gruppen sichtbar werden.

Auch bei seiner kommenden Einzelausstellung lädt der 1967 geborene Warschauer wieder Teilnehmer von "außen" ein. So wurden etwa schon im Vorfeld der Schau Studierende der Akademie der bildenden Künste und Bewohner des Flüchtlingshauses Neu Albern zur Teilnahme gebeten. Eine Veränderung erlebt aber nicht nur das Publikum des Secession, sondern vor allem deren räumliche Gestalt: Althamer baut einen tunnelähnlichen Gang durch das Haus, der in den dahinterliegenden, verkehrsinselartigen Garten führt. Diese Passage wird rund um die Uhr zugänglich sein und an ihrem Ende finden abendliche Lagerfeuer statt, für Althamer die Urform des Round Table. Der Künstler versteht seine Installation aber als temporären Freiraum, der prinzipiell zur Nutzung offen steht. Die Trennung zwischen hehrem "White Cube" und Umfeld wird dadurch tendenziell eingeebnet. Zur Schau erscheint auch eine Sonderausgabe der Straßenzeitung Augustin. Stellt sich die Frage, ob sich vielleicht auch manche der an Klimt interessierten Touristen an Althamers Feuerchen wärmen werden. NS

Secession, Fr 19.00, bis 21.6.


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