Neu im Kino

Zu schön, um wahr zu sein: "Die Herzogin"

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 17/09 vom 22.04.2009

Er würde nie verstehen, warum Frauenkleider so kompliziert seien, meint Ralph Fiennes, bevor er als Herzog von Devonshire zur Schere greift und seiner ihm frisch angetrauten Ehefrau das Mieder auftrennt. Es sei eben ihre einzige Möglichkeit, sich auszudrücken, entgegnet Keira Knightley als Georgiana Spencer, und wie zum Beweis zeichnen sich am Rücken deutlich die Spuren dieser Beengung ab.

Noch vor wenigen Jahren hatte sich bei der Austen-Adaption "Pride and Prejudice" Regisseur Joe Wright erfolglos gegen Keira Knightley als Hauptdarstellerin ausgesprochen, weil diese "zu schön" sei. Mittlerweile ist kaum jemand anderer in der Rolle einer mit Pomp ausstaffierten Adeligen vorstellbar, die im 18. Jahrhundert durch eine Ehehölle wandelt, ohne eine einzige Träne zu vergießen: Mit "Die Herzogin" ist Knightley endgültig zur unnahbaren Puppe des britischen Kostümfilms geworden.

Dabei wäre die Geschichte der Vorfahrin von Prinzessin Diana inklusive allfälliger familiärer Parallelen geradezu prädestiniert, um die Unterdrückungsmechanismen des Genres auszustellen, die inneren Kämpfe der Gefühle und Klassen. Aber in "The Duchess", von Saul Dibb buchstäblich in Szene gesetzt, wird jede Einstellung zum bedeutsamen Kraftakt.

"Ihr müsst nicht immer gefallen", meint der Geliebte der Herzogin, die die Freiheit der Gefühle dem vermeintlichen Glück der Kinder hintanstellt. Damit könnte auch der Film selbst gemeint sein, der mit seiner Hauptdarstellerin eine Symbiose der Bewunderung eingeht. Die hunderten stummen Dienstboten, die hier unentwegt unbewegt im Hintergrund herumstehen, sind deshalb unsere wahren Verbündeten: Man staunt und kann's nicht glauben.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige