Retrospektive

Graben nach Erinnerungen Rithy Panh in Wien

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 17/09 vom 22.04.2009

Die Schau "Die Vermessung der Erinnerung. Das dokumentarische Kino des Rithy Panh" bietet die rare Gelegenheit, einen der bemerkenswertesten dokumentarischen Werkskörper des Gegenwartskinos konzentriert zu sichten: Seit Ende der 80er-Jahre leistet Panh, der als Jugendlicher aus Kambodscha nach Frankreich floh, Film für Film Gedächtnisarbeit an seinem Heimatland.

Erinnerung, zumal die an das kaum aufgearbeitete Massenvernichtungsregime der Roten Khmer, muss hier immer erst aus der Gegenwart heraus archäologisch freigelegt werden: Deklassierte Tagelöhner stoßen beim Einbuddeln von Glasfaserleitungen auf Skelette und Landminen ("La terre des âmes errantes"), ehemalige Wärter eines Umerziehungslagers erinnern sich Dekaden später an jeden Handgriff ihrer verdrängten Folterroutine ("S 21 - La machine de mort Khmère Rouge").

"Es ist Aufgabe des Filmemachers, die richtige Distanz zu finden", erklärte Panh einmal - und beschrieb damit eine seiner wesentlichen Qualitäten: Die unaufdringliche Präzision, die "S 21" zu einer singulär eindringlichen Auseinandersetzung mit organisiertem Töten macht, kehrt in den beiden darauffolgenden, relativ "luftigen" Porträts "Les gens d'Angkor" und "Les Artistes du théâtre brûlé" als eine Qualität verschmitzter Gelassenheit wieder.

Der Filmemacher ist zu zwei Publikumsgesprächen anwesend, Österreich-Premiere hat, neben Panhs Debüt, dem Flüchtlingslagerporträt "Site 2 - aux bords des frontières", sein neuester Film, "Le papier ne peut pas envelopper la braise". Dieser widmet sich einigen jener Prostituierten, die einen ehemaligen Wohnpalast in der Hauptstadt Phnom Penh bevölkern.

Mo bis Mi im Filmcasino (in Anwesenheit des Filmemachers)


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