Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Wieso erinnert Radatz an einen Nazispruch, Herr Deisenberger?

Der Spruch hat schon einigen Unternehmen Probleme bereitet. "Jedem das Seine", schrieb Tschibo kürzlich auf seine Kaffeewerbung - und musste diese gleich wieder zurückziehen. Ebenso ging es Nokia, Burger King oder der Merkur Bank. Auch der Rewe-Konzern schrieb "Grillen: Jedem das Seine" in ein Prospekt und musste sich dafür entschuldigen.

Denn der Spruch, den einst der griechische Philosoph Cato geprägt hat, stand auf dem Tor des Konzentrationslagers Buchenwald und ist im historischen Gedächtnis eindeutig mit dem Nationalsozialismus konnotiert.

Nun wirbt der Wurstwarenerzeuger Radatz mit dem Slogan "Jedem das Feine" für seine Grillwürstel. Eine unbeabsichtigte Geschmacklosigkeit oder doch überlegte Inszenierung?

"Wir sind Gott sei Dank eine Agentur, die nicht blind durchs Leben geht und historische Zusammenhänge kennt", sagt Peter Deisenberger, Gründer und Creative Director der zuständigen Agentur Büro 16. Nach internen Diskussionen in der Agentur habe die Familie Radatz sogar extra bei der Israelitischen Kultusgemeinde nachgefragt, ob der Werbespruch Gefühle verletzen könne, "aber die haben anfangs gar nicht verstanden, worum es eigentlich geht", meint Deisenberger.

Nachdem auch noch ein Sprachwissenschafter kontaktiert wurde, einigten sich Kunde und Agentur darauf, bei diesem Slogan zu bleiben, weil dieser laut Büro 16 vereine, wofür Österreichs größter Fleischproduzent stehe: Nämlich ob der breiten Produktpalette für jeden etwas bieten zu können, und das in hohen Qualität. "Jedem das Seine" sei auch etwas ganz anderes als "Jedem das Feine", meint der Creative Director, "und nur weil die Nazis Wörter in einen furchtbaren Kontext gesetzt haben, darf man sich doch die deutsche Sprache nicht aus der Hand nehmen lassen."


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