Sir Salman träumt von Scheherazade

Feuilleton | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Im jüngsten Multikultimärchen von Salman Rushdie kollidieren die Renaissancen aus West und Ost

Buchkritik: Sigrid Löffler

Worum geht es eigentlich in Salman Rushdies Romanen? Im Grunde erzählt der Anglo-Inder pakistanisch-kaschmirischer Herkunft lauter "Paradise Lost"-Geschichten, Geschichten vom leider verlorenen Paradies der multiethnischen Mischungen, in dem die Menschen ursprünglich in interkultureller Pluralität zusammenlebten - friedlich, konfliktfrei, glücklich, tolerant, synkretistisch. Diese Idylle der Integration ist zerstört (sofern es sie je gegeben hat), doch die Sehnsucht danach befeuert Rushdies Romane ein ums andere Mal.

Ost trifft West, und West trifft Ost: Auf diese Kurzformel lassen sich seine Prosaerzählungen bringen, von seinem gefeierten (und immer noch besten) Roman "Mitternachtskinder" über "Des Mauren letzter Seufzer", das Hohelied der Orient-Okzident-Verschmelzung, das in den 1990er-Jahren, zur Boomzeit des multikulturellen Überschwangs, als Leselabsal


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