Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Wer keine Sorgen hat, hat nichts zu entsorgen!

In der wunderbaren amerikanischen TV-Serie "Mad Men", die im New Yorker Werbeagenturmilieu der frühen 60er-Jahre spielt, sind die Protagonisten politisch irre unkorrekt - das macht den Reiz der Serie aus. Sie rauchen, saufen, sind gemein zu Mitmenschen und leben auch sonst recht unverantwortlich. Highlight ist ein Familienpicknick (das Auto in Sichtweite). Beim Aufbruch schüttelt die Mutter die Picknickdecke aus, Plastikbecher und -teller, Verpackungen und Essensreste landen auf der grünen Wiese, und man macht sich auf den Heimweg. Ist das nicht herrlich? Diese Unbeschwertheit damals! Heute ist so ein Verhalten unmöglich, zumindest für aufgeklärte Urbanisten mit Hang zur Mülltrennung. Oder wann haben Sie das letzte Mal eine leere Getränkedose einfach so fallen lassen? Falls es Sie interessiert: Der Autor dieser Zeilen vor wenigen Tagen, dann packte ihn das schlechte Gewissen, er radelte zurück und suchte einen Mistkübel. Aber es war ein ausgesprochen befreiendes Gefühl, einfach mal etwas Unkorrektes zu tun. Ein paar Minuten lang jedenfalls.


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