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Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Zurück zu den Wurzeln

Wer hätte das gedacht? Jener Mann, dessen Partei bei der Nationalratswahl mit einem Riesen-Plastikohr "für ein offenes Ohr" in Wien warb, hat einen werbetechnischen Coup gelandet. Mit den Forderungen nach einer Vermögenssteuer und notfalls gar Verstaatlichungen gab Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) ein Thema vor, das seit Wochen bundesweit diskutiert wird und perfekt zur Krisenstimmung passt.

"Kernöl-Chavez" nannten ihn die Salzburger Nachrichten dafür. Der Landeshauptmann tauchte in den Urlaub ab, um dann effektvoll wieder aufzutauchen. Im schicken Café Landtmann erzählte der "Pucharbeiterbua" von Zimmer-Küche-Kabinett mit Klo am Gang. Die Wiener Medienleute liefen ihm zum Steiermark-Frühling nach, der vor dem Rathaus eröffnet wurde und wo Voves VP-Chef Hermann Schützenhöfer die Show stahl. "Zurück zu den Wurzeln", fordert der Landeshauptmann, immerhin steht der erste Mai vor der Tür. Die Opposition ist verwundert, weil Voves das Thema Vermögenssteuer doch zuvor nie angeschnitten habe. Und auch um die Steiermark-Holding, mit deren Hilfe sich die öffentliche Hand an Unternehmen beteiligen sollte, ist es still geworden. In Wien versucht indes Werner Faymann, Voves' Vorstoß auf die lange Bank zu schieben. All das kann dem Landeshauptmann egal sein - er hatte seinen Auftritt.

Und sein Kontrahent bei der Landtagswahl 2010? Schützenhöfer besinnt sich auch auf Wurzeln, verschickt Fotos von sich am Blumenschmuckwettbewerb und enthüllt, dass der Bewerb künftig den Namen "Die Flora" trägt. Fazit eineinhalb Jahre vor der Wahl: Kernöl-Chavez schlägt Blumen-Hermann.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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