Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Der Preis der Freiheit

(schöner Titel ohne konkrete Anbindung)

Der Poet Johann W.L. zieht gerade durch alle steirischen Bezirkshauptstädte, um die Bevölkerung zu befragen, wogegen ein gepflegter Protest einzulegen wäre. Die meisten Antworten sind ungefähr so: Gegen alles! Außer gegen die Lehrer und gegen die Manager ist es vielen auch ein Anliegen, gegen die Preise zu protestieren. Der Protest gegen hohe Preise ist ein edles Unterfangen, vor genau 160 Jahren führte zum Beispiel eine Bierpreiserhöhung von fünf auf sechs komma fünf Pfennig zu einem dreitägigen Volksaufstand in München, der aber im Großen und Ganzen erfolglos blieb. Auch gegen die Krise kann man schlecht protestieren, und schwierig ist auch der Klimawandel. Es gibt allerdings eine wehrhafte Bewegung von Bürgern von Knittelfeld, die der EU die Stirn bieten wollen und dazu aufrufen, sich mit Glühbirnenvorräten auf Lebenszeit einzudecken. Es läuft also alles auf Konsum hinaus, eine Köflacherin zum Beispiel artikuliert ihren Protest, indem sie sich überhaupt nichts mehr kauft, sondern immer zu ihrer Oma essen geht. Die Oma wiederum versteht nicht, wieso die Jungen nicht erst mal was leisten, bevor sie mit einem Protestwagen durch die Steiermark fahren. Ja gut, wieso eigentlich nicht? Weil die Jungen das Gefühl haben, dass sowieso bald alles vorbei ist. Speziell in Köflach, wo die Immobilien zu billig und die Mittagspausen zu kurz sind.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige