Doris Knecht

Den Horwath schüttelst du nicht so leicht ab

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Seit Freitag, 10.45 Uhr ist der Horwath ein offizieller Bauer. Im Kleinformat und auf Wochenendbasis, aber ein Bauer. Am Freitag um 10.45 Uhr hat der Horwath zuerst einen prächtigen Sulmtaler Hahn in seinen Kofferraum geladen. Dann fuhr er an einen geheimen Ort, an dem man ihm endlich drei Sulmtaler Hendln aushändigte, nachdem der Horwath monatelang ostösterreichweit praktisch jedem, der auch nur entfernt etwas mit Sulmtalern zu tun hatte, auf die Nerven gegangen ist. Aber man kann sich nicht vorstellen, wie schwierig es ist, in Österreich an ein lebendes Sulmtaler Hendl zu kommen. Es ist ja schon nicht leicht, an ein totes zu kommen; beziehungweise ist es unfassbar teuer, wenn man bedenkt, dass man für so ein Zweieinhalb-Kilo-Hendl, das eine hungrige Großfamilie doch einigermaßen restlos verputzt, gut 70 Euro ablegt. Und wenn wir es für einmal wie der Austrofred machen und noch in Schilling rechnen, ergibt das knapp 1000 Schilling für ein Abendessen, die Beilagen noch nicht eingerechnet. Aber nicht einmal für dieses Geld wollte man dem Horwath in den letzten Monaten ein paar lebende Sulmtaler Hendln überlassen, sondern es sah so aus, als wollte man ihn durch mannigfaches Vertrösten und serienweises Absagen systematisch demotivieren. Aber ein Horwath lasst sich nicht so leicht abschütteln, wenn sich der Horwath etwas in den Kopf gesetzt hat, dann bekommt er es irgendwann auch, und außerdem hatte er den Stall schon gebaut; eine hochmoderne Hendlräumlichkeit und zudem gemütlich. Den Hahn ertrotzte er endlich. Und schließlich erbarmte sich die geheime Institution der gepeinigten Sulmtaler-Hendl-Bauern und schenkte dem Horwath, damit er aufhörte, sie anzurufen und von der Arbeit abzuhalten, drei kleine, flauschige Hendln, fast noch Kücken, und machte ihn somit zum Bauern.

Das Gute an den Wochenenden auf dem Land ist, dass man so viel hackelt, dass sie einem wie eine Woche vorkommen. Deswegen verging über der Betrachtung der neuen Sulmtaler nicht eben viel Zeit, aber genug, dass sich sagen lässt: Es sind besonders wohlgestalte Hühner. Und es ist ein besonders stolzer Hahn. Man möchte fast sagen: Die Sulmtaler sind die Aristos unter den Hennen, und die Damen tragen auch tatsächlich so kleine Federkrönchen und pflegen eine edle Haltung. Die Kinder saßen stundenlang im Hof vom Horwath und warteten darauf, dass der Hahn den Blick auf die hübschen Hendln freigab, denn der hatte schnell kapiert, dass er hier der Chef ist und die Aufsicht hat. Wir Erwachsenen bewunderten die Hühnerschar, tranken dann eins auf ihr Wohl und verabschiedeten uns angesichts des fast väterlichen Horwath'schen Stolzes auf seine neuen Mitbewohner von dem Gedanken, dass wir je ein Sulmtaler Hendl verspeisen werden. Und dann wurde ich auch ein bissl Wochenendbäurin, ich legte nämlich, apropos Beilagen, meinen ersten Erdäpfelacker an. Einen kleinen, aber immerhin.


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