Kritik

Es ist was paranoid im Staate Dänemark

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Der Kronprinz gammelt als Slacker vor sich hin, Horatio arbeitet als Raumpfleger, die Totengräber schieben Doppelschicht als Sicherheitsleute, Ophelia geht noch zur Schule, Königin Gertrud greift zur Flasche, und der Geist von Hamlets Vater erscheint als Bildstörung auf den Überwachungsschirmen. Nur König Claudius versucht noch, mit Spitzeln allüberall den faulen Staat Dänemark zusammenzuhalten. In einer paranoiden Gegenwart hat Bruno Max seinen - nach beinahe dreißig anderen Renaissancedramen - langgehegten Traum von Shakespeares "Hamlet" angesiedelt. Für das Bühnenbild hat er ein Halbrund mit blutrotem Brokat verhängt, auf einer Galerie die Sicherheitszentrale. Mit nur elf Rollen und einer nur leicht bearbeiteten Schlegel-Übersetzung bestreitet das Ensemble in der Scala zweieinhalb Stunden, die tatsächlich so etwas wie Unbehagen aufkommen lassen. Rosenkranz & Güldenstern etwa tragen die Mordwaffen stets geladen bei sich, und bei Ophelias Bruder Laertes brennt sehr schnell eine Sicherung durch. Als herausragende Kontrahenten stehen einander Christian Kainradl (Hamlet) und Georg Kusztrich (Claudius) gegenüber. Ein weiterer Höhepunkt ist das Stück im Stück, um den Betrug des Königs zu entlarven: ein Puppentrickfilm "featuring: the Potatoheads". Spaß und Spannung zugleich - ziemlich großartig.

Scala, bis 16.5. tägl. außer So/Mo 19.45


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