Kritik Oper

Make Love, Not War: Mitridate an der Wien

Lexikon | Andreas Dallinger | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Einen durchwachsenen Abend serviert das Theater an der Wien mit "Mitridate, Re di Ponto". Regisseur Robert Carsen siedelt Mozarts Jugendwerk im zerbombten Hauptquartier des tyrannischen Königs an. Eingestürzte Hauswände, herabhängende Betondecken wecken Assoziationen an den Gazastreifen. Es herrscht Krieg. Die Geschichte arbeitet zwar die Frage nach der Loyalität der beiden Königssöhne ab. Aber die längste Zeit über nehmen Liebe und Eifersucht die Protagonisten derart in Beschlag, dass es nicht wundern kann, wenn sie am Ende den Krieg verlieren. Carsens optische Aktualisierung schadet nicht, fügt dem etwas schablonenhaften Werk aber auch keine erweiternde Dimension hinzu. Richtig zäh kommt's aus dem Orchestergraben, weil Dirigent Harry Bicket nicht einmal den Versuch unternimmt, Mozarts Partitur dramatisch und facettenreich zu frisieren. Er zieht der Musik einen akkuraten Scheitel, das war's. Dicht wird die Produktion nur dann, wenn die Regie in den Hintergrund tritt, Mozarts Musik fast zum Stillstand kommt, Harry Bicket sich kaum mehr bewegt und Bejun Mehta, Patricia Petibon und Myrtò Papatanasio das Haus mit ihren technisch bestfundierten und zu Herzen gehenden Stimmen füllen.

Letzte Vorstellungen: 29.4. und 2.5., 19.00


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