Kritik

Farbstürme im Wasserglas

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Schon wie die übermäßig verlängerten Buchstaben "S", "X" und "T" in der Ecke lehnen, scheinen sie zur Benutzung bei einer Demonstration aufzufordern. Die dreiteilige Skulptur "Sixties", die Joseph Bauer 1968 produziert hat, lag Jahrzehnte im Depot, bevor sie die Künstlerin Julie Ryan für die jetzt von ihr kuratierte Gruppenschau ausgegraben hat. Ryans Ausstellung nennt sich "The Red Thread", der rote Faden, und eine dieser Kontinuitäten zieht sich von der Vergangenheit der Galerie im Griechenbeisl, wo Bauer einst ausgestellt hat, zur heute dort befindlichen Galerie Dana Charkasi. Für die sehenswerte Schau sind im weitesten Sinn Fragen von Interieur und Exterieur zentral, sowie die Sentimentalität oder Kälte, mit der diese behandelt werden.

Im Fall von Michael Huey zieht sich der rote Faden durch seine Familiengeschichte, auf die er in seiner Kunst direkt oder indirekt stets rekurriert. Der in Wien lebende Amerikaner hält etwa Keramikfiguren in einer bearbeiteten Negativfotografie fest, die eindrucksvoll Patina und zeitgenössische Digitaltechniken kombiniert. Das geloopte Found-Footage-Fragment "Don't say things" zeigt seinen Onkel in den 30erjahren bei einem Zaubertrick voll surrealem Charme. "After" heißt eine tolle Installation von Laurent Montaron, die eine winterliche Szene im Studio festhält. Mittels einfachster Effekte gelingt es dem Künstler, den Effekt eines Dioramas zu erzeugen, was wieder an Jeff Wall denken lässt. Malerische Erscheinungen dokumentiert Herwig Weisers Video "Lucid Phantom Messenger" in einem Wasserbassin, in dem der Künstler unter Zuführung von Strom knallbunte Farben chemisch reagieren lässt. Dringende Empfehlung!

Galerie Dana Charkasi, bis 23.6.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige