Kritik

Nur der Pförtner hat's gesehen

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Bei der Videoinstallation "Doormen" von Agnieszka Kalinowska im Mumok meint man zunächst, es mit Museumswärtern zu tun zu haben. In Wahrheit handelt es sich aber um Pförtner, wie sie in New York über jedes bessere Apartmenthaus wachen. Die polnische Künstlerin hat diese Rezeptionisten einzeln interviewt und sie anschließend digital zu einer Gesamtprojektion vereint. Uniformiert im Halbkreis in einem schwarzen Raum sitzend erzählen sie von ihren Joberlebnissen; dass sie nicht miteinander sprechen, soll wohl die Isoliertheit hervorstreichen. Man hört ihnen gerne zu, diesen sympathischen Wächtern, unter denen sich auch eine "doorwoman" befindet. Sie reden über Politik, Stadtneurotiker, schöne Frauen und alles andere, was sie als stille Beobachter so mitkriegen. Das Video löst eindeutig Sehnsucht nach New York aus - der weitere Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen.

Wesentlich platter fällt Kalinowskas Video "Draughty House" aus, für das sie mit Asylanwärtern in Österreich kooperiert hat. Deren Gesichter bleiben dunkel, während sie die Hände durch einen von der Künstlerin entworfenen Zaun stecken und ihre traurigen Geschichten erzählen. In seinem braven Engagement würde dieses Kunstwerk jedoch besser ins Foyer der UNO City passen. Auf eine Art Standardfilmszene referiert Kalinowska mit dem über den Köpfen der Betrachter projizierten Video "Emergency Exit": Eine Frau kriecht durch einen Lüftungsschacht, in dem natürlich auch eine Ratte herumläuft und weit und breit kein Ausgang zu finden ist. Nein, dieser Film wurde nicht in den Schächten des Museumsbunkers Mumok gedreht - wie schade.

Mumok, bis 14.6.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige