Neu im Kino

Horror aus Schweden: "So finster die Nacht"

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Kein anderes Subgenre hat einen so dankbaren und zugleich verhängnisvollen Protagonisten wie der Vampirfilm. Die Figur des aristokratischen Blutsaugers, der die bürgerliche Unschuld verführt, den Sittenverfall verschuldet und sich nur über den Tod anderer selbst am Leben erhält, hat dank Dracula das gotische Terrain im Film für Jahrzehnte geebnet.

Umso erstaunlicher, dass "So finster die Nacht" (internationaler Verleihtitel: "Let the Right One In") von Tomas Alfredson tatsächlich mit dem Anspruch auftritt, das Motiv des blutleeren, totenbleichen Vampirs gegen den Strich zu bürsten. Das hat nämlich die Popkultur nicht nur längst erledigt, sondern obendrein die Reste mit Filmen wie "Underworld" oder "Van Helsing" längst mehrfach verwertet.

Doch immerhin ist es diesmal im schwedischen Norden ein schmutziges, braungelocktes Mädchen, das auf entsprechende Nahrungszufuhr angewiesen ist: Die kleine Eli taucht eines Tages in der verschneiten Wohnsiedlung am Stadtrand von Stockholm auf und lernt hier den Außenseiter Oskar kennen, der von seinen Mitschülern gedemütigt und von seinen geschiedenen Eltern nicht wahrgenommen wird.

Ein Klettergerüst im Hof, Morsezeichen durch die Wand, die Kälte der frühen 80er-Jahre: Alfredson, der offensichtlich den Vampirismus in ein sozialrealistisches Umfeld einbetten möchte, konzentriert sich weniger auf die Beutezüge des kleinen Vampirs als auf das langsame Kennenlernen der beiden Einzelgänger. Dabei wird der Themen- immer wieder zum Thesenfilm, wenn etwa Milieutristesse und Alkoholismus entsprechende Opfer bereitstellen. Doch man kann es auch so sehen: Mit "Let the Right One In" ist der Vampir vom Snob endgültig zum Sozialfall geworden. Bekreuzigen Sie sich vor der deutschen Synchronfassung.

Ab Fr im Gartenbaukino (OmU)


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