Ohren auf!

Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Ein Schlag durchs ganze Orchester und dann der Chor aus voller Kehle: "O Fortuna, velut Luna statu variabilis." - So kennt man sie heute, die "Carmina Burana", eine der wichtigsten Sammlungen weltlicher lateinischer Lyrik des Mittelalters.

1937 hat Carl Orff 24 der insgesamt 254 erhaltenen Vagantenlieder für Chor und Orchester frei vertont, beginnend mit der bombastischen Anrufung der - "wie der Mond wechselhaften" - Glücksgöttin Fortuna. Orffs Kantate ist eines der populärsten Werke des 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt bekannt durch ausgiebigen Einsatz in der Funk- und Fernsehwerbung.

Kaum bekannt ist aber, dass für viele der Gedichte auch originale Melodien erhalten sind. Die 1803 im bayerischen Kloster Benediktbeuern (daher der Name) aufgefundene Handschrift entstand vor 1250, wahrscheinlich in Südtirol oder Kärnten. Dort haben Mönche einen Teil der Dichtung mit Melodien versehen, notiert in linienlosen Neumen, die den Melodieverlauf in relativen Tonhöhen angeben.

Bereits zum zweiten


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