Theater Kritik

"Nirgends und überall, keiner und alle"

Steiermark | Mathias Pascottini | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Wo ist Andi Strasser - der Sonnyboy, der Fußballkapitän, der Hauptdarsteller des Schulmusicals? Diese Frage stellt sich das Schauspielteam des Borg Dreierschützengasse in "brick in the wAll", einem Stück rund um das Thema Schule. Regisseur Thomas Sobotka inszeniert eine Schulwelt, in der Gewalt, Drogen, Neid und Rassismus an dem Fundament der Gemeinschaft nagen.

Das gesamte Schulgebäude wird zur Bühne für mitwirkende Lehrer und Schüler, die die Besucher gekonnt mitreißen und in die Geschichte einbinden. In einzelnen Stationen werden verschiedene Blickwinkel des Lebens von Andi Strasser beleuchtet, und ehe man sich versieht, ist man selbst mittendrin in ebendiesem. Möglich wird dies aufgrund des gelungenen Drehbuchs der Schülerschreibwerkstätte unter der Leitung von Pia Hierzegger und der tollen Leistung der (großteils) Laiendarsteller. Das aus dem Projekt "Macht|schule|theater" in Kooperation mit TaO! entstandene Stück zeigt, dass sich Graz um seinen Theaternachwuchs keine Sorgen machen muss.

Lediglich die Anhäufung einiger Schreiduelle und ein äußerst verwirrender Schluss trüben den Gesamteindruck des Abends. Getrost hätte man darauf verzichten können. Reichlich entschädigt wird der Besucher dafür von der talentierten Schulband, die das Stück musikalisch umrahmt, und von einem außergewöhnlichen Schlussbild, das den Theaterabend stimmungsvoll ausklingen lässt. Am Ende des Tages ist man auch um eine Antwort reicher: Andi Strasser ist "nirgends und überall, keiner und alle".

Borg Dreierschützengasse, zum letzten Mal am 29.4., 19.00

Theater/Kritiker/Werkstätte: Die Rezension von Mathias Pascottini, Jg. 1992, ist der Siegertext eines Kritikerworkshops, den der Falter gemeinsam mit dem TaO! und der 7a des BRG Kepler durchgeführt hat.


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