Theater Kritik

Ohne Worte: Schaubühne Graz zeigt Handke

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Peter Handkes Stück "Das Mündel will Vormund sein" trägt den Mund bereits im Titel. Das ist eine für Handke typische, irreführende Wortspielerei. Allerdings die einzige in diesem Drama, denn gerade der Mund wird hier nicht gebraucht. "Das Mündel will Vormund sein" bildet Autoritäts- und Herrschaftsverhältnisse ab, ohne Macht- und andere Worte, es ist ein Glaubensbekenntnis des Autors an den Tiefsinn des nackten Blicks. Sprich: Hier hat sich die Wahrheit der Kunst ohne Wortgewalt durchzusetzen.

Die Schaubühne Graz illustriert diese Sehnsucht nach einer stummen dramatischen Wahrhaftigkeit in starken Bildern, darstellerisch sind Alexander Mitterer und Christian M. Müller trotz erstaunlicher Präsenz überfordert. Wer diesen Handke überhaupt nicht kennt, dürfte angesichts der Aufführung recht ratlos sein. Daran ändern auch Anspielungen an gegenwärtige Bevormundungen (der Patriarch als Leser einer arabischen Zeitung, Julius Meinl und KHG als die zwei unheiligen Könige) nichts.

TTZ, 29. und 30.4, sowie 1.5. um 20.00


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