Kunst Kritik

Das Bild und seine Intentionen

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Was vor drei Jahren mit "First the artist defines meaning" begonnen hat, wird in der aktuellen, von Maren Lübbke-Tidow und Reinhard Braun kuratierten Ausstellung bei Camera Austria so folgerichtig wie ironisch fortgeführt: "Then the work takes place" versucht ein Zwischenresümee neokonzeptueller Ansätze zeitgenössischer Fotografie entlang weniger, exemplarisch aufgerufener Positionen.

Dabei wird mindestens eines klar: dass konzeptuelle Arbeiten nicht mehr notwendigerweise an einer Trotzhaltung ästhetischen Belangen gegenüber zu erkennen ist, sondern dass diese auch gut komponierte Bilder sein können, die freilich mehr bedeuten sollen, als sie auf den ersten Hinblick zeigen oder zu zeigen vorgeben. Wenn etwa Marine Hugonnier einen Sonnenauf- bzw. -untergang am Meer im Cinemascope-Format zelebriert, dann blickt sie dabei über die Datumsgrenze zwischen Alaska und Sibirien hinaus und bringt so das fotografisch eigentlich Undenkbare - zwei Zeiten in einer Belichtung - zustande.

Genauso wenig erschöpfen sich die Interieurs Jean-Luc Mylaynes im soliden Bildaufbau. Sie zielen insgeheim auf kleine Vöglein vor dem Fenster, die leicht zu übersehen sind, und werden solcherart zu kritisch-charmante Bezugnahmen auf Henri Cartier-Bresson. Der hatte den idealen Reportagefotografen zwar nicht als häuslich, sich seinem Gegenstand jedoch - dem besten Freund der Vöglein ähnlich - auf Samtpfötchen nahen gesehen. Womit gleichfalls eine fotografische Maxime hinters Licht geführt wäre. Aber eigentlich bestätigen die präsentierten Arbeiten dann auch, dass Bilder weit mehr transportieren, als zu ihnen sagbar, über sie zu wissen ist.

Camera Austria, bis 28.6.


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