Kunst Kritik

Die Ratlosigkeit zwischen den Revolutionen

Steiermark | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Nicht nur Papst Johannes Paul II. war von den postkommunistischen Transformationen in Osteuropa bitter enttäuscht. Auch die Künstler ziehen heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall, eine eher kritische Bilanz. Was nicht heißt, dass sie ihre zeithistorischen Analysen mit revolutionären Zukunftsvisionen zu garnieren wüssten. So unausgemacht wie unausgedacht bleibt, wohin die gesellschaftspolitischen Veränderungen in Europa noch führen werden.

Der Kunstverein , der seine Ausstellungstitel ohnedies gern als Fragen formuliert, trägt dieser Ratlosigkeit Rechnung, hat acht in ehemaligen Ostblockländern tätige Kuratoren eingeladen, jeweils zwei künstlerische Positionen unter der Überschrift "Where to go?" zu präsentieren. Und die Künstler bringen nicht nur mit, was sie seit den Revolutionen von 1989 so alles an persönlichen Erinnerungen oder Vorspiegelungen aufzuarbeiten haben, wie etwa Dan Mihaltianus, der sein Bukarester Studio aus den späten 80er-Jahren nachbaut, oder Joanne Richardson, die Filmmaterial über die rumänische Revolution mit der aus Familienfotos herausgelesenen Rekonstruktion der eigenen Kindheit konfrontiert. Sie versuchen immerhin, auch Bilder der heute weit stärker zerklüfteten Gesellschaften osteuropäischer Länder zu zeichnen.

Radoslaw Szlaga etwa fallen zur Situation in Polen nur "Bad Drawings" ein. Am einprägsamsten ging Joanna Rajkowska vor, als sie die Vertreter rechtsextremer ungarischer Organisationen mit Vertretern ihrer multikulturellen Umwelt zu einem wenig magenfreundlichen Rundflug über Budapest zusammenbrachte. Das ist im Keim schon eine Lösungsstrategie. UT

Kunstverein , bis 13.6.


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