Ausstellung Kritik

"Jahrhundertsturm": eine Liebeserklärung

Steiermark | Thomas Wolkinger | aus FALTER 18/09 vom 29.04.2009

Soll noch einer sagen, Kunst und Sport gingen nicht in einen Raum. Die Ausstellung "Jahrhundertsturm. Über eine Weltanschauung in Schwarz-Weiß" im Künstlerhaus, eine Gemeinschaftsanstrengung von SK Sturm Graz und dem Büro der Erinnerungen, liefert zum 100. Vereinsjubiläum jedenfalls einen Beleg dafür, wie treffsicher ein derartiges Doppelpassspiel geraten kann, wenn auch die nötige Leidenschaft im Spiel ist. Das stand beim Kuratorenteam der Schau (Martin Behr, Werner Fenz, Elke Murlasits) - allesamt ausgewiesene "Schwarz-Weiße" und dazu noch kunstverständig - allerdings ohnehin nicht in Zweifel.

So ist das ganze Künstlerhaus zum Kickplatz umgestaltet, von der Decke hängen die Fahnen der schwarz-weißen Fanclubs, aus den Boxen dröhnen die Chöre aus der Kurve, aufgenommen beim letzten Heimspiel gegen Ried, verschnitten mit einer von Rainer Binder-Krieglstein eigens geschriebenen, ziemlich derben "Lustig samma"-Hymne. Am Spielfeld selbst wird die Vereinsgeschichte in elf eleganten Medienvitrinen aufgerollt. Interviews, Ton- und Bilddokumente sowie mit viel Liebe ausgewählte Objekte - obskure, private Erinnerungsstücke, legendäre Dressen - sind da locker zu Themen gruppiert, werfen Blitzlichter auf "Erfolge" und "Niederlagen" des Vereins, auf "Stadtrivalitäten" oder "Sportplätze".

Ein besonderes Stück: Das Künstlerduo G.R.A.M. hat die Buchstaben aufgetrieben, die das einstige Schwarzenegger-Stadion bezeichneten, daraus die ersten sieben Lettern geschnitten und als eindrucksvolles Wortobjekt in den Raum gesetzt. Komplettiert wird die Schau von gut 20 weiteren künstlerischen Sturm-Annäherungen, von Michael Glawogger ("Osime Volimo Te!") etwa oder von Günter Brus, von Sonja Gangl, Andreas Leikauf oder Josef Klammer. Schön, wenn Fans das Spiel in die Hand nehmen.

Künstlerhaus Graz, bis 14.6.


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