Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Über die Krise wird viel geschrieben, aber wenig Vernünftiges. Zum Wenigen zählt ein Aufsatz des liberalen Soziologen Ralf Dahrendorf im neuen Merkur: "Nach der Krise zurück zur protestantischen Ethik?" Dahrendorf zeigt, wie sich der Kapitalismus in einen Widerspruch verstrickte, als er seine Spargesinnung dem Konsumzwang opferte oder teilweise opferte und aus dem "Sparkapitalismus" ein "Pumpkapitalismus" wurde. Dahrendorf weist unter Bezug auf Daniel Bells "Cultural Contradictions of Capitalism" darauf hin, dass der Kapitalismus mit der Wende zum Konsum- und Kreditzwang seine eigenen mentalen Voraussetzungen zerstört habe.

"Auf der Seite der Produktion wurden weiter die alten Werte von Fleiß und Ordnung verlangt; aber der Antrieb der Produktion ist in zunehmendem Maße, materialistischer Hedonismus und psychologischer Eudaimonismus' (Bell). Mit anderen Worten, der entwickelte Kapitalismus verlangt von den Menschen Elemente der protestantischen Ethik am Arbeitsplatz, aber das genaue Gegenteil jenseits der Arbeit, in der Welt des Konsums."

Eine Rückkehr zum protestantischen Kapitalismus sei nicht denkbar, schreibt Dahrendorf, wohl aber "eine Wiederbelebung alter Tugenden". Weder Spar- noch Pumpkapitalismus würde genügen; wir müssen uns einen neuen Kapitalismus erfinden. Dahrendorf schlägt einen "verantwortlichen Kapitalismus" vor, der vor allem einen neuen Umgang mit der Zeit pflege.

Quelle:

Ralf Dahrendorf: Nach der Krise: Zurück zur protestantischen Ethik? Sechs Anmerkungen. In: Merkur, Heft 5, Mai 2009 Klett-Cotta, Stuttgart


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