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Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Wieso hat ein Polizist auf Sie eingeprügelt, Herr Zendron?

Traditionell marschiert die KPÖ am 1. Mai in Linz auf. Diesmal endete die Demo mit fünf Festnahmen und einigen Verletzten. Die Polizei macht dafür vermummte Demonstranten verantwortlich, die KPÖ Polizeiübergriffe. Ein ORF-Video zeigt einen Polizisten, der mehrfach mit einem Schlagstock auf einen Mann einschlägt (siehe http://is.gd/vStM). Das Prügelopfer ist Rainer Zendron, Vizerektor der Linzer Kunst-Uni.

Wie ist es zur Eskalation gekommen?

Ich habe selbst nicht so viel mitbekommen. Ich wollte dem Demonstrationszug vom Hauptplatz aus zusehen - wie ich das jedes Jahr tue. Als die KPÖ nicht daherkam, bin ich der Demonstration entgegenmarschiert, bis zum Sammelpunkt in der Blumau.

Dort stießen Sie auf Polizei?

Ja, sie hatten einige Demonstranten eingekesselt. Die Polizei sagt, dass einige vermummt waren, ich habe aber keine Vermummten gesehen. Mein Eindruck war eher, dass es der Polizei um Provokation ging.

Wie meinen Sie das?

Es hieß: Der KPÖ-Zug darf erst losgehen, wenn alle Eingekesselten ihren Namen abgeben und sich fotografieren lassen. Dann habe ich gesehen, wie ein Polizist eine Frau verhaften wollte. Ich bin dort hingegangen, um etwas zu sagen. Aber so weit bin ich gar nicht gekommen. Die Polizisten haben mich niedergestoßen.

Der Niedergeknüppelte im Video, das sind Sie?

Ja, aber in der Situation habe ich das gar nicht gespürt. Wahrscheinlich wegen des Adrenalinrausches. Ich habe mich am Boden zusammengerollt, um mich zu schützen. Dann haben sie mir Handschellen angelegt und mich verhaftet. Das Ganze hat nur fünf Minuten gedauert.

Wann wurden Sie wieder freigelassen?

Am Abend. Ich wurde wegen versuchtem Widerstand gegen die Staatsgewalt angezeigt. Ich bedaure aber nicht, dass es mich erwischte. Denn normalerweise trifft so etwas Leute, die man leicht als Randalierer abtut.

Interview: Ingrid Brodnig


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