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Politik | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Europa im Bild

Die Bedeutung des Bildes für die Politikwissenschaften ist lange Zeit unterschätzt worden, wohingegen der Boom zur Erforschung der politischen Kommunikation nicht nachlässt. Vorliegendes Werk beschreibt den Status quo und die Bedeutung des "Iconic Turn" in der wissenschaftlichen Betrachtung des Bildes. Die junge Disziplin Politikwissenschaft musste erst eine visuelle Theorie schaffen, indem sie sich methodisch an der Kunstgeschichte orientierte. Erwähnt sei der deutsche Politologe Thomas Meyer, der den Begriff "Mediokratie" geschaffen und die Medien so als den bestimmenden Faktor für die Wirksamkeit von Politik definiert hat. "Europäische Bildpolitiken" untersucht, mit welchen kolportierten Codes der abstrakten Europäischen Union Leben eingehaucht wurde - um als Projektionsfläche für ein "gemeinsames Europa" dienen zu können. Österreichs Ratspräsidentschaft 2006 etwa setzte auf heimische Backware: "Sweet Europe. Lassen Sie sich verführen." Originell: Kleine Bildzitate im Text verweisen auf die großen Abbildungen im Mittelteil des Buches.

Marianne Schreck

P. Bernhard, L. Hadj-Abdou u.a.: Europäische Bildpolitiken. UTB, 184 S., € 19,50


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