Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Die Hysterie der Epidemie

Die "seltsamen Ereignisse" im algerischen Oran nehmen ihren Ausgang mit toten Ratten. Am Ende hat die von der Außenwelt abgeschnittene Stadt tausende Todesopfer zu beklagen. Auf den 350 Seiten dazwischen lässt Albert Camus virtuos die Pest wüten. Der Erzähler und Arzt Bernard Rieux unternimmt als moderner Sisyphos eine Irrfahrt durch die Epidemie, auf der Suche nach dem Grund für die Auswahl der Opfer. Die Krankheit dient als Chiffre für den Nationalsozialismus. Die Ohnmacht gegenüber dem Bösen und die Suche nach dessen Ursachen bleibt jedoch zeitlos. Es sind Endzeitszenarien wie diese, die der aktuellen Medienhysterie um die Schweinegrippe unausgesprochen zugrunde liegen. SA

Albert Camus: Die Pest. RoRoRo, 359 S., € 8,95


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