Nachgesehen

Der Schauplatz, eine Stunde nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Martin Gantner | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Auch wenn der Kanzler die Bühne verlässt, bleibt der 1. Mai ein guter Tag

Eine Stunde nachdem Bundeskanzler Werner Faymann seine 1.-Mai-Rede am Rathausplatz gehalten hat und sich die Reihen gelichtet haben, sitzen Albert und Christine Beilner noch immer auf zwei Sesseln und schauen auf die leere Bühne. Im Hintergrund, auf der Ringstraße, singen Maigänger die Internationale: "Die Arbeit hoch!" Albert Beilner lächelt. Seit 1946 kommen die beiden am Tag der Arbeit jedes Jahr auf den Rathausplatz. Faymann ist der achte SPÖ-Vorsitzende, dem sie dabei zusehen, wie er der Bevölkerung mit einem rotem Tuch zuwachelt und dabei "Freundschaft" ruft. Mit der Papiernelke im Knopfloch erinnert sich Herr Beilner an die Anfänge der Zweiten Republik und daran, dass die Internationale lange verpönt war. "Das war das Lied von den Kommunisten", sagt er. "Die Arbeit hoch! So hoch, dass man sie nicht derglengt", haben sie früher gesagt. Er hört das Lied aber gerne. Jedes Jahr am Rathausplatz und manchmal auch zuhause auf Langspielplatte.


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