Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Warum tragen Sie denn Dildos an den Schuhen, Frau Jakob?

Wer dieser Tage in U4-Stationen auf den nächsten Zug wartet, wird vielleicht ein Plakat mit einer außergewöhnlichen Ballerina sehen. Denn die Frau im Tütü sieht nicht aus wie die typische elfenartige Gestalt, die auf der Bühne den sterbenden Schwan gibt. Nein, die abgebildete Ballerina wirkt, als würde sie die Schwäne lieber eigenhändig erwürgen. Sie trägt einen burschikosen Haarschnitt, ein kariertes Holzfällerhemd, Dildos an den Schuhen, zusammengebundene rosa Ballettschuhe um den Hals. Und sie schaut ausgesprochen grantig drein.

Das ungewöhnliche Plakat ist eine Werbeaktion des Tanzquartiers Wien. Die Ballerina darauf wird von Jakob Lena Knebl dargestellt, die auch die Werbeidee entwickelte. Knebl ist eine Wiener Künstlerin, die sich als Transgender sieht. Die Abbildung soll die Brüchigkeit von Identität vermitteln und für Verwirrung gegenüber bestehenden Klischees sorgen. Dildo und Flanellhemd passen ja so gar nicht zu Schwanensee und Nussknacker. Warum eigentlich nicht?

Die Künstlerin zeigt diesen Widerspruch nicht einfach auf, sondern nimmt ihn auf die Schippe: "Humor ist mir auch wichtig." Für sie ist die Kampagne eine Möglichkeit, ein breiteres Publikum anzusprechen. Für das Tanzquartier ist es ein Weg, eine andere Art der Werbung zu machen. In den letzten Monaten haben so bereits Künstler wie Valie Export oder Christian Eisenberger Werbesujets für das Tanzzentrum im Museumsquartier produziert.

Knebl hat aber nicht nur ein Plakat, sondern auch ein Give-away gestaltet. Bei Veranstaltungen werden Doppeldildos hergeschenkt. Dieses Sextool kann die Künstlerin auch empfehlen. "Als ich das erste Mal einen Doppeldildo sah, hab ich mir gedacht:, Na servas!'", erzählt sie. "Aber das ist wirklich ein praktisches Teil."


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