Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Wie das Anzengruber in die Werbung kam

Im Grunde berührt Werbung das Leben nicht besonders. Sie berieselt sanft, bevor sie ohne viel Aufhebens am riesigen Friedhof der vergessenen Belanglosigkeiten zu Grabe getragen wird. Es sei denn, Budweiser wirbt. Denn kürzlich verfiel die tschechische Biermarke auf die unkonventionelle Idee, ganz normale Wiener in ihre glitzernden Reklamen zu heben. Sie müssen nur irgendwie mit Bier zu tun haben. Und so kam Tomi in die Werbung. Tomi, der sympathische Kellner vom Café Anzengruber, bei dem man schon mal anschreiben lassen kann, der selbst im übervollsten Stress noch gelassen und freundlich bleibt. Genau dieser Tomi grinst nun glänzend und leicht gephotoshopt von U-Bahn-Wänden und Rolling Boards. Das soll nicht sein. Das verletzt die persönliche Sphäre. Bei McDonald's kann man nicht anschreiben, im Anzengruber schon, das macht den Unterschied. Sollen sie doch McDonald's nehmen, die Werber, aber nicht Tomi. Sollen sie doch Naomi Campbell oder Werner Faymann auf Plakate heben, aber nicht Tomi! Ab heute trinke ich nur noch Starobrno!


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