"Er scheint der Beste auf seinem Gebiet zu sein"

Stadtleben | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Christiane Sommer, 47, geborene Knacke, schwamm mit 15 Jahren als erste Frau die 100 Meter Schmetterling unter 60 Sekunden. 1980 gewann sie Bronze bei den Sommerspielen in Moskau. Sie lebt seit 1988 in Wien und ist nach drei Operationen, die wegen der verordneten Einnahme von anabolen Steroiden und anderen Dopingmitteln notwendig geworden waren, staatlich anerkanntes Dopingopfer der DDR.

Falter: In Deutschland brandet gerade eine Diskussion um eine "zweite Chance für DDR-Dopingärzte" auf, in Österreich gab es diese Diskussion nie. Wie sehen Sie Pansolds Engagement in Österreich?

Sommer: Ich denke, wenn jemand wie Herr Pansold 20 Jahre nach einer Tat wegen Körperverletzung verurteilt wird, dann war da schon was dran. Er hat ja bis zuletzt auf Freispruch plädiert.

Sie sind seit 1988 in Österreich. Hatten Sie - außer beim Prozess in Berlin - jemals Kontakt mit Bernd Pansold?

Sommer: Wissen Sie, woher der Leistungsdiagnostiker Hans Holdhaus sein Wissen hat? Pansold war sein Lehrmeister. Ich war nach meiner Ausreise aus der DDR als Trainerin im Leistungszentrum Südstadt tätig. Eines Tages habe ich erfahren, dass Holdhaus Pansold zu einer Konferenz eingeladen hat. Ich bin überraschend aufgetaucht. Pansold ist dann sehr rasch verschwunden. Aber das Beste ist: Er hat als Stasi-Mitarbeiter einen Treffbericht darüber an die Zentrale geschrieben. Das war 1989. Im selben Jahr ist die Mauer gefallen.

Warum herrscht eine derart große Nachfrage nach Bernd Pansold?

Sommer: Pansold weiß vielleicht ganz genau, wie die Sportler clean bleiben. Er scheint der Beste auf seinem Gebiet zu sein - was immer sein Gebiet ist.


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