Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Bärenmanagement

Wie schad, o Mensch, dass dir das Gute, im Grunde so zuwider ist! Wilhelm Busch, "nicht artig"

Völlig zu Recht im Begriff, in Vergessenheit zu geraten, ist das Adjektiv "artig". Es riecht streng nach schwarzer Pädagogik und nach Wortspielen aus dem Kreativbereich (weil ja art drinnen steckt). Wer sich aber auf Kultur statt auf Natur beruft, sagt eher sittlich statt artig, etwa das schon erwähnte Landessicherheitsgesetz, wenn es um Punks geht, oder der Wirtschaftsminister, wenn es um Manager geht. In Zeiten der Krise Boni einzustreichen sei zum Beispiel ein unsittliches Verhalten. Als Idealist würde er nicht auf die Idee kommen, dass Streben nach Bonuszahlungen in der Natur (also in der Art) der Manager läge. Anders ist das bei Bären. Dass der Braunbär Moritz zwei Stück Rothirsch erledigt haben soll, gilt - in einem langen Winter - als artgerechtes Verhalten und rechtfertigt deshalb nicht die Negativkampagne von Tourismusverband und Landespolitikern. Hier ist Bärenmanagement gefragt, weil auf der anderen Seite der Debatte Moritz schon deswegen schutzwürdig ist, weil einer der Letzten seiner Art. Der individuelle Moritz ist den Artenschützern mit gutem Grunde völlig wurscht, niemand hat ihn je zu Gesicht bekommen. Wir wissen nur, dass er Teil eines Systems ist, das sich angeblich selbst regulieren kann, wenn sich alle artgerecht verhalten. Aber für den Problemfall werden die Bären ja besendert, das heißt: überwacht. Das geht dann bis zum Abschuss.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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