Phettbergs Predigtdienst

Die Provenienz meines Hausrates

Kolumnen | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Was mein Computer auch kann - ich kann es nicht! Genaugenommen schreib ich wie auf einer Schreibmaschine, denn ich hab nur eines wirklich gelernt in der Handelsschule: das Maschinschreiben. Am Stuhl liegen so circa zehn große Zettel, die ich oft hinunterwerfe und dann mit Mühe durchwühle, um das Nötigste zu finden. Der Leibstuhl wurde meiner Mama übrigens vom Ignaz-Onkel vermittelt; wer konkret ihn getischlert hat, weiß ich nicht, doch war da wohl schon Industrie im Spiel.

Mein Computertisch wiederum ist der Küchentisch, den mein Urgroßvater, der Tischler aus Unternalb, meiner Oma als Hochzeitsgeschenk machte. (Die Unternalber Tischlys-Linie ist übrigens vollkommen unbekannt mit der mütterlichen Tischlys-Linie!) Der Urgroßvater trank gern, und als ihn seine Frau einmal aussperrte, hat er sich in einem Sarg sein Bett gerichtet, denn Urgroßvater Fenz war auch Sargmacher. Auch das Ehebett hat er meiner Oma zur Verheiratung geschenkt. Wurde darin mein Vata gezeugt? Ich weiß es nicht. Jedenfalls hab ich nur noch einen Splitter in der hiesigen Wohnung in Anwesenheit.

Kaum nahm ich mich wahr, war ich stolz auf meine Mama. Es war immer zusammengeräumt daheim, doch die kleinste Faser kritisierte ich, wenn sie herumlag. Wie viel gute Worte und vor allem gute Taten bin ich der Mama schuldig geblieben! Und als ich dann voll Hagestolzigkeit in Wien wohnte, überließ ich meine Mama der Obsorge meines Halbbruders. MEA CULPA!

Zwar bemühe ich mich, meine Gumpendorfer Wohnung in Schuss zu halten, doch kann sie weit nicht mehr diesen Grad an Zusammengeräumtheit vorweisen. Sie ist sogar die allerschmutzigste Wiens, und ich schlaf in ihr seit Ende Juni 1982. Im Ambiente der Hauseigentümerin Frau Peterka. Ich hab sie nie kennengelernt, aber alle Vorhänge sind noch von ihr oder vom Zwischenmieter, der sieben Jahre hier wohnte und gern trank. Ich hab nicht einmal Fotos von den beiden. Ich bin der Blindläufer schlechthin, uninformiert wie nur ein Tonkrug.

Jetzt leb ich ganz allein und zittere, dass alles mit einer Fuhr einst weggeschmissen würde. Und dann liege ich ein Jahrzehnt im Armengrab des Zentralfriedhofes - und wenn das Jahrzehnt abgelaufen ist, wird alles von mir weg sein.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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