Kritik

Stück auf! Ein Denkmal für malende Bergarbeiter

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Die Männer, um die es in diesem Stück geht, hat's wirklich gegeben. In den 1930er-Jahren machten 30 Bergarbeiter aus dem nordenglischen Städtchen Ashington, die in ihrer Freizeit einen Malkurs besuchten, als Ashington Group Furore. Der englische Dramatiker Lee Hall, bekannt als Drehbuchautor des thematisch verwandten Films "Billy Elliot", hat ihnen in seinem Stück "The Pitmen Painters" (2008) ein Denkmal gesetzt; das Volkstheater zeigt die deutschsprachige Erstaufführung.

"Im Zeichen der Kunst" dauert fast drei Stunden, und dass einem der Abend keine Minute kürzer vorkommt, liegt zunächst womöglich daran, dass es sich bei der Inszenierung um eine Art Remake handelt. Mit Max Roberts (Regie) und Gary McCann (Ausstattung) wurde das Uraufführungsteam aus Newcastle engagiert: Braver englischer Bühnenrealismus trifft auf wackere Volkstheaterschauspieler - keine sonderlich prickelnde Mischung. Vor allem aber hat das mit allerlei Plattitüden ("Echte Kunst gehört allen!") gepflasterte Stück ein Problem: Es ist weit und breit kein Konflikt in Sicht.

Keine Frage: Die Ashington Group ist guter Stoff. Fraglich nur, ob das Theater das geeignete Medium dafür ist. Apropos: Bis 17. Mai ist im Project Space der Kunsthalle Wien eine kleine Begleitausstellung zum Stück zu sehen, die in Dokumenten und rund 40 Originalgemälden die Geschichte der "Pitmen Painters" erzählt. Der Eintritt ist frei, der Besuch dauert höchstens eine halbe Stunde, und das Stück kann man sich danach eigentlich sparen.

Volkstheater, wieder am 29. und 30.5., 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige