Kritik Oper

Staatsoper: "Rheingold" abgeprallt

Lexikon | Andreas Dallinger | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Mit manchen Opern verhält es sich wie mit der Erdatmosphäre: Wer sich zu flach annähert, prallt ab. An der Staatsoper schickt Richard Wagners "Rheingold" die Regie von Sven-Eric Bechtolf zurück in die unendlichen Weiten belangloser Inszenierungen.

Hier nun, im eigentlichen Vorabend des "Ring des Nibelungen", rächt es sich endgültig, dass das Leading Team des neuen "Ring" auf jede mutige These verzichtet hat. "Rheingold" ist ein Weltentwurf. Ohne Risiko der Interpretation, ohne machtvolle Idee und trotzige Behauptung werden die mythologischen Gestalten der Götter, Riesen und Zwerge sinnlose Hohlkörper, ihre Symbole lächerliches Requisit, die Geschichte eine Albernheit. Da nützt auch die gelegentlich gelungene Personenführung nichts. In den stimmungslosen, flachen Bildern Rolf Glittenbergs schafft es Bechtolf zweieinhalb Stunden lang nicht zu klären, was "Rheingold" heute und hier noch soll.

Franz Welser-Möst am Pult schafft da andere Dimensionen. Brillant bringt er alle verspielten Details und thematischen Verzweigungen der Partitur zum Klingen und spannt dennoch den großen Bogen über das pausenlose Werk. In den lyrischen Passagen drosselt er das Tempo, als nähme sich die Handlung eine Auszeit. Dann wieder treibt er die Tempi zu brennender Rasanz. Ohne Pathos, in aller Wucht.

Dazu eine ziemlich erste Besetzung: Juha Uusitalo ein klangschöner, etwas biederer Wotan. Tomasz Konieczny ein in der Höhe markant durchschlagskräftiger, in der Tiefe gequetscht gaumiger Alberich. Ain Anger und Sorin Coliban profund und solide, wie Riesen sein müssen. Und über allen strahlt der Bariton Adrian Eröd. Er singt die Tenorpartie des Halbgottes Loge durch und durch göttlich und bringt, seiner Rolle gemäß, wendig und irrlichternd ein Feuer auf die Bühne, das leider nicht auf die anderen übergreift.

Staatsoper, 16.5. und 6.6.


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