Kritik

Schön wie ein toter Schmetterling

Lexikon | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Das Licht flackert in der nächtlichen Galerie. Es wird so schnell kein Handwerker kommen und diesen Missstand beheben, denn Sebastian Walther hat seiner "Galerie" diesen Fehler bewusst verpasst. Die Skulpturen des jungen deutschen Künstlers, die häufig Architekturmodellen gleichen, sind derzeit bei das weisse haus zu sehen. Der Kunstverein bespielt temporär leerstehende Räume, die von Immobilienfirmen zur Verfügung gestellt werden. In der neuen Innenstadtadresse des Kunstvereins funktionieren alle Glühbirnen, aber die Deckenleuchten weisen darauf hin, dass diese Räume ursprünglich nicht als Ausstellungsorte gedacht waren.

Sebastian Walthers aus Sperrmüll und Fundstücken konstruierte Plastiken passen gut hierher. Voller Ironie versenkt der Künstler modellgroße Hochhäuser im Aquarium und filmt sie schwimmend. Zu seinem dichten Skulpturenparcours gehören Kartonobjekte, die an einen Kebab-Fleischkloß und einen Lüftungsschacht erinnern. Fragile Skulpturen aus Folie oder Papier wechseln mit massiveren Objekten in architekturalen Formen ab. Der Künstler begreift seine Arbeiten als "gescheiterte Versuche", die mit einer charmanten Patina daherkommen. Ganz anders Alfredo Barsuglia, die zweite Position der Eröffnungsausstellung, der nicht Verfall und Imperfektion behandelt, sondern zwanghaft geschönte Oberflächen. Technisch perfekte Porträtmalerei präsentiert der Wiener Künstler in speziellen Interieurs, mal Boudoir oder Mädchenzimmer, mal Klinik. Dafür reichen Barsuglia wenige Zusätze wie ein an der Wand skizzierter Raum oder ein gerahmter Schmetterling. Die Raumillusion wirkt hier ebenso verführerisch wie das Versprechen ewiger Schönheit in der Kunst. NS

das weisse haus, bis 6.6.


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