Buch der Stunde

Lexikon | Ulrich Rüdenauer | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

In Woody Allens "Annie Hall" wird Alvy Singer mit den Niederungen der Kulturindustrie konfrontiert, als er einen alten Freund besucht und dieser gerade Lacher vom Band unter wenig witzige Szenen seiner TV-Show legt. Die wenigsten Sitcoms kommen ohne diese Spaßmarker aus, die uns anzeigen, wann es lustig sein könnte. Ganz anders verhält es sich mit den Lachern auf Max Goldts neuer CD, denn sie sind echt. Und doch sind sie mitunter ähnlich störend wie die im Fernsehen. Das Doppelalbum "Nicht jede kalte Säge kommt nach New York" mit Singlehits aus dem Kolumnenwerk dokumentiert eine Lesung Max Goldts. Wer schon einmal eine solche besucht hat, kennt das Phänomen: Die mit subtilen Sprachspielen das Absurde des Alltags einfangenden Texte werden live zu wahren Schenkelklopferhits: Wie Husten beim Klavierabend ansteckend ist, so ist hier das Lachen hochinfektiös. Das macht Spaß, wenn man mit im Saale sitzt. Hört man Goldts feingearbeitete, mit onkelhaftem Gestus vorgetragene Texte aber


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