Theater Kritik

"Sauschneidn": Da stockt das Blut

Steiermark | Thomas Wolkinger | aus FALTER 19/09 vom 06.05.2009

Wer den Text von "Sauschneidn", dem Erstlingsstück von Ewald Palmetshofer, das im Jahr 2005 den Retzhofer Literaturpreis gewann, liest, hat schnell dunkle Bilder im Kopf. Das dumpfe bäuerliche Österreich der 70er-Jahre, das man auch mit Peter Turrinis "Sauschlachten" assoziiert, ein abgewirtschafteter Hof in der Einöde, an dem sich die zwei Hauptfiguren, Hansi und ihre Schwiegertochter Rosi, das Elend vom Leib reden. Die Ursache ihres Leids: Karl, der Mann im Haus, der die Frauen tyrannisiert, als Figur aber selbst nicht in Erscheinung tritt. Die von den beiden Frauen imaginierte Lösung: Würde man den Karl nur schneiden wie ein junges Ferkel, ja dann würde alles wieder gut. So weit, so sozialkritisch.

Palmetshofer und Dieter Boyer, die "Sauschneidn" nun gemeinsam am Theater am Lend zur Uraufführung brachten, wollten diese historische Verortbarkeit des Stoffs aufheben, haben dafür den Text ein wenig beschnitten und die dritte Figur der ursprünglichen Version - Sonja, "eine Tochter" - in eine "sie", eine "Frau unbestimmten Alters", umgewandelt. Diese "sie", gegeben von der Musikerin Susanna Ridler, darf das Mundart-Ping-Pong der beiden anderen Frauen (Roswitha Soukup, Wiltrud Schreiner) immer wieder mit simpel gestricktem Elektropop oder mit monologisch sprudelnden Textflächen brechen, wie sie auch aus späteren Palmetshofer-Stücken bekannt sind. Mit dem Unterschied, dass Ridler nicht annähernd an die souveräne Lässigkeit einer Nicola Kirsch oder einer Bettina Kerl heranreicht, die zuletzt am Wiener Schauspielhauses Palmetshofers feine "faust"-Paraphrase belebten.

Die holprige Regie tut ein Übriges. So stockt das Spiel im kargen Guckkasten, der saftige Text rinnt fade aus. Am Ende war's ein blutleerer Abend.

Theater am Lend, 5. bis 7.5., 20.00; Theo Oberzeiring, 13.5., 20.00


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