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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Von allen Kulturjournalisten haben es die Filmmenschen am lässigsten: Die gehen am helllichten Tag gratis ins Kino - wie cool ist das denn?! Neid indes ist mir fremd, denn zum einen darf ich auch hin und wieder ran (Filme mit echten Ärzten oder animierten Tieren), zum anderen braucht man sich als Litkrit nicht zu beschweren: Wir kriegen die Bücher ins Haus geschickt, und wo, wann und wie wir das Zeug lesen, ist ganz allein unsere Sache.

Beim Pop herrschen etwas verkommene Umgangsformen (Duzzwang!), außerdem kriegt man ständig Phoner mit seltsamen Bands angeboten. Die härtesten Bedingungen aber finden die Theaterkritiker vor: Die müssen mehrmals die Woche am Abend ins Theater gehen, wo sie dann immer unter ihresgleichen sitzen. In Festwochen-Zeiten sehen sie ihre Kritikerkollegen öfters als ihre Lebensgefährten, außer sie werden von diesen begleitet, was auf Dauer keine Beziehung aushält.

Mich beschleicht freilich immer wieder der Verdacht, dass Wolfgang Kralicek das irgendwie geil findet, wenn er jedes Jahr über Festwochen hinweg im Theater verschwindet und wieder sein "Festwochentagebuch" schreiben kann (ab nächster Woche). Es gibt dann so viel zu sehen und zu schreiben, dass er den theateraffinen Wurmdobler und den transgenregeneigten Stöger einsetzen muss (siehe S. 26 f.). Die Umgangsformen bei den Festwochen sind freilich untadelig und die Damen im Pressebüro total klasse.


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