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Politik | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Verschwörungsfrage Kampusch: Was ist wahr, Herr Adamovich?

Am Montag veröffentlichte das Innenministerium den 58-seitigen Endbericht der Evaluierungskommission im Entführungsfall Natascha Kampusch. Untersucht wurde im Hinblick auf Fahndungsfehler und allfällige Vertuschungen. Nachdem Details aus dem Bericht vergangene Woche durchgesickert waren, kam es in den Medien zu Spekulationen um Mittäter und Verbindungen zu einem Kinderpornoring. Ludwig Adamovich, der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofs und Leiter der Kommission, ist verärgert.

Warum wurde der Bericht nun doch veröffentlicht? Er sollte doch eigentlich vertraulich bleiben.

Wir haben mit dem Innenministerium vereinbart, nichts von den Inhalten an die Öffentlichkeit zu tragen. Dann hat mich eine halbe Stunde, nachdem ich den Bericht übergeben habe, der erste Journalist angerufen. Was in den Medien stand, war zum Teil richtig. Zum Teil war es reine Mutmaßung. Der Bericht wurde jetzt - anonymisiert und ohne jene Details, zu denen noch ermittelt wird - veröffentlicht. Damit die Spekulationen vom Tisch sind.

Wer hat denn da nicht dichtgehalten?

Das weiß ich nicht. Weiß der Teufel, wer. Aber irgendwer hat geplaudert. Sicher keines der fünf Mitglieder der Kommission. Und ich auch nicht.

Was haben Sie herausgefunden?

Es gibt zwei entscheidende Punkte: Im Zuge der Ermittlungen ist man 2002 auf einen Kriminalfall im Rotlichtmilieu gestoßen, der nicht hinreichend geklärt wurde. Zweitens: Es hat sich gezeigt, dass zu Personen, die möglicherweise eine Rolle spielen, nicht ausreichend ermittelt wurde.

Wer? Wie viele Personen sind das?

Dazu kann ich nichts sagen.

Bereuen Sie es, die Leitung dieser Kommission übernommen zu haben?

Bei dem, was da in der letzten Woche zusammengeschmiert wurde, habe ich schon daran gedacht, alles hinzuschmeißen. Als mir etwa Hans Rauscher im Standard unterstellte, ich würde den Boulevard aufstacheln.

Interview: M.G. Bernold


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