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IT-Kolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

"Schreib den ersten Satz so, dass man auch den zweiten lesen will." Das ist ein gutes Zitat von Schriftsteller William Faulkner. Als er es von sich gab, war die Schreibmaschine noch sündteures Hightech-Equipment. Heute hingegen sitzen wir alle vor der Tastatur, produzieren Texte im Eiltempo und denken wenig über Formulierungen nach. Schwupps, schon ist die nächste E-Mail raus! Dabei wäre Faulkners Aussage mittlerweile wichtiger denn je. Gerade im Internet werden neue Literaturformen ausprobiert, die den einzelnen Satz in den Fokus rücken. Das beste Beispiel dafür ist der Twitter-Roman. Twitter ist bekanntlich jener Microblogging-Dienst, bei dem man 140 Zeichen zum Formulieren seiner Gedanken hat. Einige Autoren nutzen diese 140 Zeichen, um Zeile für Zeile einen Roman online zu verfassen. Das Publikum ist bei der Entstehung live dabei. Hört sich lustig an. Die Twitter-Romane gehen aber nicht immer auf: Denn wenn die Geschichte nur häppchenweise wächst, muss jeder Satz sitzen. Und die sitzen nicht überall so gut wie bei Faulkner.


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