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Medien | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Kindle DX: Das Ende von Print und die Rettung des Journalismus

Prüfbericht: Thomas Vašek

Schon wieder Amazon. Diesmal mit einem Scoop, der die Medienbranche verändern könnte: Letzten Mittwoch stellte der Onlinehändler sein neues E-Book-Lesegerät Kindle DX vor. Die spektakulärste Neuerung ist das Format: Das Gerät kommt mit einem 10-Zoll-Display (rund 25 Zentimeter) und einem Speicher für etwa 3500 Bücher. Zum ersten Mal ermöglicht die E-Book-Technologie damit das komfortable Lesen von Zeitungen und Zeitschriften. Man wird sich an diesen Tag vermutlich noch länger erinnern. Lange Jahre hat man den E-Books nichts zugetraut - zu klein, zu teuer, zu wenig sinnlich. Mit dem Kindle DX, seinen Folgemodellen und möglichen Konkurrenten wird sich das ändern. Die drei US-Tageszeitungen New York Times, Washington Post und Boston Globe haben bereits angekündigt, für den Kindle günstigere Abos anzubieten. Der Kindle DX bietet zwar nur Schwarzweiß in 16 Graustufen. Doch binnen eines Jahres soll nun auch eine Farbvariante kommen. Kindle & Co. werden den Bücher- und Printmedienmarkt schleichend umkrempeln. Das einzige wirkliche Problem ist momentan noch der Preis: Den Kindle DX kann man in den USA für 489 Dollar ab sofort bestellen. Doch die Preise werden rasch sinken. Und in ein paar Jahren werden die Verlage ihre Abos gebündelt mit Kindle & Co. verkaufen. Das Ende von Print? Zumindest teilweise. Zugleich aber die Rettung der Verlage, die sich damit Druck- und Vertriebskosten ersparen. Und damit die Rettung des Journalismus, wie wir ihn kennen. Und wer aufs Papier nicht verzichten will, kann sich seine Zeitung ja ausdrucken.

Thomas Vašek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets.


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