Improvisation auf Zuruf: Gabriela Montero hält eine selten gewordene klassische Tradition am Leben

Feuilleton | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Vorbericht: Carsten Fastner

La cuca-raaa-cha, la cuca-raaa-cha", kräht einer aus dem Publikum im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses, und Gabriela Montero muss lachen. Sie sitzt auf der Bühne vor einem Steinway, klimpert das penetrante Thema des mexikanischen Volksliedes vor sich hin, legt mit der Linken ein grooviges Ostinato darunter - und ist schon mittendrin in einer wilden Fantasie, die klingt wie Keith Jarrett in seiner funkigen Phase Anfang der 70er-Jahre.

Montero ist eine Ausnahmeerscheinung unter klassischen Konzertpianisten. Als eine der ganz wenigen ihres Fachs hält die Venezolanerin eine Tradition aufrecht, die einst selbstverständlich war: die Kunst der klassischen Improvisation.

Ihr Wien-Debüt im Konzerthaus vor vier Wochen hatte sie ganz konventionell begonnen, mit Bach und Brahms. In der zweiten Konzerthälfte aber ließ sie sich vom enthusiastischen Publikum Melodien zurufen, über die sie aus dem Stand in unterschiedlichsten Stilen improvisierte.

Aus Schuberts "Forelle"

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