Diskrete Dienste in Wien

Stadtleben | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Warum Bernd Pansold, der in der DDR Jugendliche dopte, weiter als Arzt arbeiten darf

Bericht: Gerd Millmann

Der Blick auf Österreichs Dopinglandschaft gleicht einem Wechselbild. Wer die Alpenidylle länger betrachtet, erkennt plötzlich eine Sumpflandschaft. Einen diesbezüglichen Aha-Effekt bot der Bericht über Bernd Pansold (siehe Falter 19/09).

Der DDR-Sportmediziner war wegen Dopens von Jugendlichen 1998 in Berlin verurteilt worden und arbeitet heute als Chef-Leistungsdiagnostiker bei Red Bull. Nach der letztwöchigen Geschichte wurden neben Ö1 und anderen Medien auch die Ärztekammer aktiv. "Warum darf der Mann immer noch als Arzt arbeiten?", hatte eines seiner Opfer, Christiane Knacke-Sommer, im Falter gefragt. Weil die Ärztekammer, die ihn von der Ärzteliste streichen könnte, ein rechtzeitiges Disziplinarverfahren verabsäumte. Heute, elf Jahre später, ist die Tat verjährt. Artur Wechselberger, stellvertretender Leiter der Kammer, hat dieser Tage versucht, Pansold wegen standeswidrigen Verhaltens zur Verantwortung zu ziehen. Vergeblich.

Wobei auch die deutsche Ärztekammer ausgelassen hat. Auch sie leitete kein Verfahren ein, das jedem Arzt bereits wegen Alkohols am Steuer blüht. Was dazu führt, dass derselbe Arzt, der Jugendliche zu Sportkrüppeln machte, sein Wirken ausdehnt. Nicht nur im Red-Bull-Trainingszentrum Thalgau in Salzburg, sondern auch in Wien bietet er seine sportärztlichen Dienste an.

"Da hat sich Österreich offenbar eine Zecke eingefangen", meint der deutsche Antidoping-Papst Werner Franke. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz stellt jedoch fest: "Ich stelle Pansold nicht eine Sekunde infrage."


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