Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Die Freude, die reine Freude

Hey, Christoph Biró hat einen Text verfasst! Ganzseitig hat sich der Chef der Steirerkrone, bisher nicht durch Vielschreiberei auffällig geworden, seine Empörung ob des von Landesrat Kurt Flecker (SPÖ) initiierten Woodstock-Festivals von der Leber geschrieben. Ein besonderer Dorn in Birós Auge: der von der Kunstneigungsgruppe Monochrom vor dem Joanneum platzierte aufblasbare "Riesen-Joint". "Eine Verharmlosung der Suchtgiftproblematik", zürnt Biró. Dabei auch den Begleittext zu Monochroms "Pot Tin God" ernst zu nehmen, kam ihm freilich nicht in den Sinn. Dort steht: "Der Joint und das Kiffen gehören zum Ruiniertesten, was die Popkultur bislang zustande gebracht hat." Verharmlosung?

Egal! Auch egal, dass das Blatt tagelang Klaus Leutgebs Schlagerfestspiele am Schwarzl-Teich "präsentierte", dazu vermerkte, dass 40.000 Liter Bier zum Volksvergnügen herangekarrt wurden. 800 Liter reinen Alkohols, präsentiert von der Krone. Verharmlosung? Nein, Medienkooperation. Kein kritisches Wort dazu, erst recht nicht zu den Erzherzog Johann-Festspielen, die gerade das Land überziehen. Die Kleine Zeitung steht dem kaum nach, bejubelt völlig kritikfrei die Johann-Folklore und lässt auch Klaus Leutgeb im rührigen Interview ausgiebig plaudern ("Ich will den Menschen Freude bereiten."). Ja, derselbe Leutgeb, der seine Mitarbeiter gerne antreten lässt "wie im KZ", wie er im letzten Falter gesagt hat. Und die Kulturredaktionen üben sich derweil in Kunstkritik.

Schwere Zeiten für Kulturkritik, Hochkonjunktur der Harmlosigkeit. "Schande für alle", schreiben Monochrom in ihrem Joint-Text. Vielleicht versteht Christoph Biró jetzt, was damit gemeint sein könnte.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige