Kritik

Küssen mit Worten: "Gut gegen Nordwind"

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Daniel Glattauer, wohin man schaut: Nicht genug, dass auch sein zweiter E-Mail-Beziehungsroman "Alle sieben Wellen" die Bestsellerlisten dominiert und bereits 170.000 Exemplare verkauft wurden, gibt es Emmi Rothner und Leo Leike jetzt auch im Theater. Die Kammerspiele zeigen Buch eins, "Gut gegen Nordwind", in einer Bühnenfassung von Ulrike Zemme und Glattauer selbst, Regie führt Michael Kreihsl. Die Erwartungen an den Abend - eine szenische Lesung? - werden übertroffen. Mit vielen kleinen Kunstgriffen (etwa Gefühlsmusik von PeterLicht oder Lambchop) wird der Text zu einem richtigen Bühnenstück. Emmi (Ruth Brauer-Kvam) und Leo Leike (Alexander Pschill) sind zwar durch eine Wand voneinander getrennt, interagieren aber trotzdem auf charmante Weise. Man könnte sogar sagen: Die Trennung und die dadurch beschränkten Möglichkeiten des Zusammenspiels machen den Reiz der Sache aus. Das Tasten mit Worten der virtuell Verliebten wurde stimmig auf die Bühne übertragen. Man versteht nun auch, warum Glattauer damit liebäugelt, in Zukunft fürs Theater zu arbeiten. Seine pointierte Ausdrucksweise ist wie gemacht für pfiffige Dialoge, der Mann könnte moderne Screwball Comedies schreiben. Womöglich sogar solche mit Körperkontakt.

Kammerspiele, Sa 15, So 20.00


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