Neu im Kino

Soziophile Sommerkomödie "Das Festmahl im August"

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Matteo Garrone kennt man als Regisseur des raubeinigen Mafiadramas "Gomorrha". Dass er auch Produzent des nun startenden "Festmahl im August" ("Pranzo di Ferragosto") ist, sollte allerdings nicht zu der Annahme verleiten, beide Filme seien sich ähnlich: Regie führte Gianni di Gregorio, Drehbuch-Koautor von "Gomorrha" und im Fall dieser Sommerkomödie Regisseur, Autor und Hauptdarsteller in einem. Gianni besetzt sich selbst als Gianni, einen ergrauten Aristokraten, der sich mit seiner mamma eine weitläufige Altbauwohnung im Zentrum Roms teilt. Weil die Miete schon einige Monate aussteht und der Vermieter Druck macht, nimmt Gianni über die Augustfeiertage (Ferragosto) nolens volens dessen alte Mutter und Tante und schließlich auch noch die Mutter des Hausarztes in Pension. Was bleibt ihm übrig? Beide Gläubiger gilt es bei Laune zu halten, und Platz ist in den vielen tapezierten, mit Antiquitäten angeräumten Zimmern ja genug.

Ein mit fünf Senioren besetztes Kammerspiel als Kinounterhaltung? Perché no: Dank di Gregorios Humor, der ähnlich trocken ist wie der Chablis, den Gianni flaschenweise trinkt, entwickelt "Pranzo di Ferragosto" einen ganz eigenen Charme. Als einziger Sohn einer dominanten Mutter (Presseheft) kennt sich di Gregorio in der Welt alter Damen offenbar aus: Mit großer Liebe entwirft das Script deren Spleens, während die Kamera jeden Pigmentfleck auf den Händen der betagten Darstellerinnen liebkost. Trotz aller Streitigkeiten mündet "Pranzo di Ferragosto" in ein Plädoyer für ein Miteinander quer durch die Generationen. Eine soziophile Komödie, getragen von der Zuneigung zu Rom und seinen Bewohnern.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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