Neu im Kino

Nun doch im Kino: "JCVD" von Mabrouk El Mechri

Lexikon | Gerhard Midding | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Nach diesem Film gibt es kein Zurück mehr. Er markiert einen so unwiderruflichen Wendepunkt, wie ihn einst "Alphaville" in der Karriere von Eddie Constantine darstellte. Welches heroische Mandat wollte man ihm fortan noch antragen, wo er sich doch schon von einer Taxifahrerin (die findet, dass er auf der Leinwand netter ist und besser aussieht) widerstandslos abkanzeln lässt?

In "JCVD" verkörpert Jean-Claude van Damme gewissermaßen seine eigene Fama, den mittlerweile 47-jährigen, ausgebrannten Actionstar der zweiten Garnitur, der kein Zutrauen mehr zu seinem Agenten hat und den Sorgerechtsprozess um seine Tochter wohl verlieren wird; zumal die gegnerische Seite seine Filme als Beweisführung ausschlachtet. Mabrouk El Mechris tragikomische Hommage konfrontiert the Muscles from Brussels mit einer Situation, die er im Kino sonst zuverlässig meistert: In seine Heimatstadt zurückgekehrt, wird er in einen Banküberfall mit Geiselnahme verwickelt. Die Rolle, die er darin spielt, ist zunächst undurchsichtig. Nur eines ist klar: Er ist wieder ganz auf sich allein gestellt.

Behände wechselt El Mechri in diesem klugen Spiel um Image und Substanz die Perspektiven. Die Realitätsebenen verschieben sich, und die Gewissheiten werden nachdrücklich aufgekündigt. Es wäre ein Leichtes gewesen, den abgehalfterten B-Movie-Veteranen der Lächerlichkeit preiszugeben. Aber stattdessen gewährt El Mechri ihm eine verblüffende Katharsis. Mithin demontiert er dessen Leinwandsouveränität, um ihr dadurch eine eigentümliche Würde zurückzuerstatten. Welch großer Vorzug es ist, dass er van Damme mag, demonstriert schon die Eröffnungssequenz: eine minutenlange Plansequenz, die als akrobatische, kundige Anthologie seines Œuvres fungiert.

Ab Fr im Filmhauskino (OmU)


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