Kunst Kritik

Schubumkehr, ganz ohne abzustürzen

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 20/09 vom 13.05.2009

Schubumkehr", das meint volle Kraft zurück. Das Kulturzentrum bei den Minoriten empfiehlt sie einer Wirklichkeit, die sich hysterisch übersteigert, bevor sie dann als Blase platzt. Und bietet mit zwei künstlerischen Positionen Gegenentwürfe zum blinden Hype. So hat sich Klaus Schafler in seinen auf das Jahr 2050 ausgerichteten Zukunftsvisionen überlegt, wie ein letzter Rest an Heimeligkeit zu bewahren wäre, in einer noch viel cooleren, dafür UV-geschützten Welt. Und auf die Hochgeschwindigkeitstransformationen im gar nicht mehr so fernen China reagiert er mit zwar nicht kitschresistenter, dafür grundsätzlich solider Planung eines imaginären Stadtteils, die in der Kunst des Schreibens ein Grundparadigma chinesischer Kultur ausmacht, aus der Kalligrafie also jene acht Grundstriche ableitet, bevor sie dann von Technoinsekten ordentlich durchgerüttelt werden. Das alles zwischen Buchsbaumkugeln zur Steigerung des Wohlbefindens.

Derweil trachtet Arnold Reinisch, den "Realitäten" wieder auf den Grund zu kommen, konfrontiert Annoncentexte, die bekanntlich viel versprechen, mit nüchterneren Bildern, lässt aber auch den erfolgreich Desillusionierten nicht allein im Regen stehen, sondern denkt ihm Apparate zu, die vielleicht nicht alle Bedürfnisse, aber doch die wesentlichsten befriedigen werden. Und das zudem recht kostengünstig: Seine "Desperate Housewives" sind wahre Mensch-Maschinen: Staubsauger mit Haut und angedeuteten Geschlechtsmerkmalen, die sich wohl nicht nur am Teppichboden abarbeiten sollen. So sind wir wohlgerüstet für die allerhärtesten künftigen Zeiten. Stromversorgung vorausgesetzt.

Kulturzentrum bei den Minoriten, bis 22.5.


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